Leseprobe
Jawan brach mitten im Satz ab und sah fassungslos an ihm vorbei. Das eben noch verhältnismäßig verhaltene Rufen und Krakeelen der Volksmasse wurde von einem auf den anderen Moment lauter. Ischtamar packte die Hand seines Sklaven und rannte mit ihm auf Boas, die kupferne Säule zu, die immerhin ein wenig Deckung vor dem Strom von Soldaten bot, der gerade in langen Reihen durch die Tore in den Hof hinein floss, so ähnlich, wie es bei den Stadtmauern der Fall gewesen war.
Jawan befürchtete ein ähnliches Gemetzel, doch als er sich im Rennen umsah, erkannte er, dass die Menschen auf dem großen Platz gleich davon stobenden Fischen vor ihnen davonrannten, weil sie sich diesmal nicht selbst den Weg versperrten und dass sich sein Verdacht bestätigte: Die Chaldäer wollten die Reichtümer Jerusalems, das Gold, das Silber und das Kupfer, aber nicht das Blut. Nur kurz nachdem sie die breite Kupfersäule erreicht hatten, rannten an ihr schon die Soldaten vorbei. Ischtamar und Jawan fiel es gleichzeitig auf: Sie schwiegen. Kein Kriegsgeschrei, kein Rufen oder ein chaldäischer Schlachtruf. Die Soldaten verständigten sich mit Blicken oder flüsterten sich allenfalls etwas zu. Aber für die Einnahme eines Gotteshauses, die allezeit ein Höhepunkt für die angreifende Streitmacht war, denn hatte man das Haus vernichtete, hatte man auch den Gott zunichte gemacht, war es bedrückend still.