Ehrlich währt am längsten - wirklich!

28. Januar 2012

Die neue Stromberg-Staffel gilt als eine der besten, zugleich hat sie aber auch für mächtig Aufruhr gesorgt. Nicht wegen der schwarzen Satrire, sondern wegen der auffälligen Verwendung von Produkten (Müller-Milchreis und Hasbro-Spielzeug) in der Handlung. Product Placement heißt das, und einige Fans haben sich darüber aufgeregt.
Stromber-Erfinder Ralf Husman konterte schnell und schonungslos: Was James Bond recht ist, muss Bernd Stromberg billig sein.”. Andere Anstalten hätten die Vorwürfe entkräftet, ausgesessen oder gar zurückgewiesen, hier nicht. Im Gegenteil, im nächsten Teil der Serie wurde die – wieder mal völlig sinnfreie – Einbindung des Milchreises von einem ironischen Laufband (“Dies ist keien Schleichwerbung, sondern Product Placement”) begleitet. Der Protest der Fans ist inzwischen verstummt und die Geschichte um ein Fallbeispiel entwaffnender Ehrlichkeit reicher. In diesem Zusammenhang möchte ich zwei Geschichten – ein älteres, ein jüngeres – erzählen, die beweisen, wie erfolgreich ein Unternehmen sein kann, wenn es auf Hieronymus hört: “Wer sich verteidigt, klagt sich an”.

McWurm

Seit einigen Jahren werden wir von McDonald’s-Spots maltretiert, in denen der interessierte Vebraucher den Ökö-Bauer Humpe von nebenan besucht und dort ungläubig beobachtet, wie der seine besten Kartoffeln für nichts anders als Mäkkes-Pommes hochzieht. Diese Berieselung muss irgendwann Früchte tragen. Bald wird McDonalds genauso für bewusste Ernährung stehen wie Nutella für den Live-Balance-Aufstricht aller Spitzensportler.
Vor knapp 30 Jahren sah das noch anders aus: Irgendein Heiopei setzte das Gerücht in die Welt, im Burgerfleisch stecke nicht nur Rinderhack sondern auch “zwecks Proteinanreicherung kleingehackte Regenwürmer”. Das saß, in den USA führte die Gruselgeschichte sogar zu Umsatzeinbußen von 30 Prozent. Die Herren hinter dem gelben M waren sich ziemlich sicher, dass sie sich mit jeder Verteidigung nur noch mehr anklagen würden. Deswegen einigte man sich auf folgende, völlig glaubwürdige Aussage: “Freunde, wir würden ja gerne Regenwürmer und auch alles andere, was nicht bei drei auf dem Baum ist, in unsere Burger stopfen – aber rechnen muss es sich. Wir sind schließlich das Symbol das Kapitalismus. Und wie Deutschlands Vize Rolf Kreiner damals im Spiegel behauptete, ist “der Würmer-Extrakt […] eben viermal so teuer wie Hackfleisch”. Wie er das nun wieder ausgerechnet hat, bleibt zwar sein dunkles Geheimnnis, fest steht aber: Der Verbraucher schluckte es und griff wieder zu. Die Fast-Food-Krise war gebannt.

Ein absolut ehrliches Gewissen

Christoph Daum darf in dieser Aufstellung natürlich nicht fehlen – auch wenn sich sein Begriff von Ehrlichkeit zu Anfang der Kokain-Affäre etwas von der üblichen Definition unterschied. Überhaupt, die Devise “1. Tu etwas unrechtes, 2. habe trotzdem ein reines Gewissen und 3. sorge dafür, dass jeder, aber auch wirklich jeder, von 1. erfährt” wird sich uns wohl nie ganz erschließen. Warum er die freiwillige Haarprobe gemacht hatte (“Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe”) und von dem positiven Ergebnis genauso überrumpelt schien wie Calmund und Co., konnte er nachher nicht mehr erklären: “Das war im Nachhinein ein Fehler. Ich hab mir das auch anders vorgestellt.” Was er sich vorgestellt hat, ist inzwischen auch egal – die Nation lachte sich kaputt, Symphathiepunkte hat ihn der ganze Skandal nur wenige gekostet.

This website was made with redacto, an XML-to-Web-Framework © 2011 by Marcel Mellor